Wunschzettel

 

 

 

Jan war schon sehr gespannt, was das Christkind ihm bringen würde.
Im Kindergarten hatte er einen Wunschzettel gemalt und diesen am Abend aufs Fensterbrett gelegt.
"Glaubt du, dass das Christkind mir meine Wünsche erfüllen wird?", wollte er von Mama wissen.
"Vielleicht wird es dir nicht alle erfüllen, aber einige gewiss.", sagte Mama und strich ihm übers Haar.
Am nächsten Morgen stand Jan auf, als es draußen noch dunkel war. Schnell lief er zum Fenster. Sein Wunschzettel war weg. Auf dem Fensterbrett lag ganz feiner Silberstaub.
"Mama. Mama sieh nur. Die Engel haben meinen Wunschzettel fürs Christkind abgeholt. Auf dem Fensterbrett liegt noch Engelsstaub von ihren Flügeln."
Aufgeregt und mit leuchtenden Augen zog Jan sich an und frühstückte.
Im Kindergarten erzählte er, was mit seinem Wunschzettel passiert war.
"Es gibt doch gar kein Christkind.", lachte Lukas Jan aus.
"So ein kleines Kind kann doch gar nicht alle Geschenke schleppen. Das macht alles der Weihnachtsmann.", wusste Lukas.
Jan schossen die Tränen in die Augen. Mama und Papa haben ihm immer vom Christkind erzählt und nun behauptete Lukas, es gäbe gar keins. Nur mit Mühe konnte er die Tränen unterdrücken.
Wieder daheim, blickte Jan traurig zum Fenster. Mama bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte und Jan erzählte ihr, was ihn bedrückte.
"Lukas hat gesagt, es gibt kein Christkind. Er sagt, dass so ein kleines Kind doch gar nicht alle Geschenke allein tragen kann und dass das alles der Weihnachtsmann macht."
Mama nahm Jan auf den Schoß und wusste im ersten Augenblick gar nicht, wie sie ihn trösten sollte.
Mit einem Mal hellte sich Jans Mine auf und er verkündete stolz:
"Ich hab es. Irgendwie hat Lukas recht. Das Christkind kann nicht alles alleine machen. Es liest die ganzen Wunschzettel und besorgt die Geschenke. Der Weihnachtsmann verteilt sie dann. Und er hebt das Christkind hinauf, wenn es den großen Weihnachtsstern auf unsere Christbaumspitze setzen möchte. Da kommt es alleine nicht dran und so bilden die beiden ein Team."
Jan sprang von Mamas Schoß und blickte wieder fröhlich durchs Fenster in den Himmel. Er wusste genau, dass er Recht hatte. Zu ihm würden beide kommen.